Der Hund, der die Kinder betreute

Kinderbetreuung durch Teddy - einmal mehr.

Als mein Großvater aufwuchs, gehörte ein Mischling namens Teddy zu seiner Familie. Teddy war sehr kinderlieb und leistete ihm und seinen Freunden auf der Straße häufig Gesellschaft. Bald wurde in der Nachbarschaft bekannt, dass Teddy auf die Kinder aufpasste. Er hielt sie zusammen und beschützte sie in der frühen Nachkriegszeit vor Fremden. Die Eltern überließen Teddy vertrauensvoll ihre Kinder zur Betreuung.

 

Eines Tages, so erzählte mein Großvater, fand sich ein neuer Junge unter den Kindern ein. Als seine Mutter ihn abends abholen und mitnehmen wollte, ließ Teddy dies nicht zu. Er baute sich  schützend und drohend zwischen ihr und dem Kind auf. Erschreckt wandte sie sich an meinen Großvater, der die Situation gleich aufzuklären wusste: "Er kennt Sie nicht", sagte er zu ihr, "er hat Sie noch nie gesehen. Ich werde ihm sagen, dass der Junge ihrer ist, und dann dürfen sie ihn mitnehmen." Er erklärte Teddy die Situation und versicherte ihm, die Frau gehöre zu dem Jungen. Mein Großvater bedeute ihr, sie könne ihren Jungen nun holen. Sie war nicht überzeugt und zögerte. "Gehen Sie ruhig", sagte er zu ihr, Teddy weiß nun bescheid!" Als sie sich nun erneut näherte, ließ Teddy sie respektvoll passieren und sie durfte ihren Jungen mitnehmen.

 

Teddy und Harald, 1947

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Brigitte Büchner (Donnerstag, 26 Dezember 2013 13:04)

    Danke für diese wunderbare Geschichte, liebe Christine. Und vor allem Dank an Deinen Opa. Ist das nicht komisch, daß er die Geschichte erst jetzt erzählt? Ich bin immer begeistert, wenn ich von diesen einfachen, natürlichen und selbstverständlichen Mensch-Tier-Beziehungen höre. Hier machte ein Hund seine Arbeit die er liebt und die ihm liegt ganz selbstverständlich und man hat ihn gelassen. Dazu brauchte er keine Assistenzhundeausbildung. Super beeindruckend. Das ist genau die Art mit der ich mit meinen Tieren immer wieder anstrebte und anstrebe zu leben. Liebe Grüße und bis bald mal, Brigitte und Konsorten :-)

  • #2

    Doris Pfeiffer (Donnerstag, 26 Dezember 2013 18:46)

    Diesem Teddy verdanke ich, dass der oben beschriebene Großvater seinen Kindern eines Tages ein kleines Fellknäul von Hund mitbrachte, das auf den Namen Teddy getauft wurde und der mit uns zusammen aufwuchs. Er hat diesem kleinen Kerl das Leben gerettet und unseres damit sehr bereichert.

    Doris

  • #3

    Heike Gleibs (Freitag, 27 Dezember 2013 08:44)

    Ja, Verständnis und Respekt, das ist nötig!
    Wie leicht hätte heute daraus eine Zeitungsnotiz werden können " Aggressiver Hund greift grundlos junge Mutter an."