Eine Nacht ohne Teddy

Von einem besonderen Hund unserer Familie.

Weil mein Großvater mit einem Hund namens Teddy aufgewachsen war, nannte er den Schäferhundmischling, dem er als viel zu junger Welpe das Leben rettete und der ein Familienhund wurde, ebenfalls Teddy.

 

Dieser Teddy ist berühmt in unserer Familie. Ich selbst habe ihn nie kennengelernt, weil ich zu spät geboren wurde. Ich weiß aber aus vielen Erzählungen, wie sehr Teddy geliebt wurde. Dass er fast täglich ein rohes Ei vom Nachbarn geschenkt bekam und es ohne es zu zerbrechen nach Hause brachte, um es dann genussvoll zu essen. Dass er Kaugummi liebte und die Kinder es gern mit ihm teilten (nicht zur Nachahmung empfohlen). Dass er bei den sonntäglichen Spaziergängen an der Elbe mit meinem Großvater auf einen Wink folgte, während andere Leute ihre Hunde streng anbrüllten.

 

Und dann weiß ich, dass Teddy eines Tages zwischen Weihnachten und Neujahr vor lautem Feuerwerk so sehr erschreckte, dass er kopflos davon lief. Alles Suchen und Rufen brachte nichts - Teddy blieb verschwunden. In der Nacht, so erzählten meine Großeltern, schreckte die Familie ständig auf und fand sich in Schlafgewändern vor der Tür, weil sie glaubten, Teddy bellen gehört zu haben.

 

Erst am nächsten Morgen war der Anruf beim Tierheim Hamburg erfolgreich: Ja, man habe einige Mischlinge neu hereinbekommen in dieser Nacht. Meine Großmutter fuhr sofort los. Sie erinnert sich noch genau: "Die Dame vom Tierheim führte mich zu einem Zwinger, wo einige Hunde drin saßen. Ja, und da sah ich Teddy. Von dem Moment an heulten wir beide von unterschiedlichen Seiten des Zwingers, weil wir so froh waren, uns wiederzusehen." "Da muss ich wohl nicht fragen, ob Ihr Hund dabei ist", stellte die Dame vom Tierheim fest und öffnete die Tür. Ein Dank, eine Gebühr, und weg waren meine Großmutter und Teddy.

 

Am Auto angekommen, sprang Teddy auf die Rückbank. Sobald meine Großmutter den Platz hinter dem Steuer eingenommen hatte, spürte sie seine Pfoten auf ihrer Schulter, eine links, eine rechts. Er schmiegte sich an sie und hielt sie fest umschlungen, bis sie zu Hause angekommen waren. Er war so froh, seine Familie wieder zu haben, und das beruhte ganz auf Gegenseitigkeit.

 

Teddy war ein intelligenter, treuer, mutiger Hund, der die Nachbarschaft wie seine rechte Vorderpfote kannte. Und doch hat ihn der Silvesterlärm so sehr erschreckt, dass er davonlief und die Orientierung verlor. Bitte geht auf Nummer sicher und leint Eure Hunde an in dieser Zeit des unberechenbaren Lärms. Der coolste Hund kann die Fassung verlieren und davonlaufen. 

 

Teddy, ich hoffe, es gibt viel Ei und Kaugummi dort, wo Du jetzt bist!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike Gleibs (Sonntag, 29 Dezember 2013 15:47)

    Danke für die schöne Geschichte und auch den Tip. Werde nach der Silvesterparty eine Stunde zu meiner Mutter laufen und wollte meinen Anton eigentlich von der Leine lassen.