Welpen nerven - und zwar richtig

Da! Ich hab´s gesagt.

Nicht falsch verstehen. In erster Linie sind die bezaubernd und wundervoll und eine Freude. Ich habe oft mit Welpen zu tun und natürlich liebe ich sie auch. Aber wir können nicht leugnen, dass die meisten von ihnen aus Hundesicht laut, unkontrolliert und frech sind. Sie stellen einem das ganze Haus auf den Kopf und nichts läuft mehr wie vorher.

 

Und genau das ist der Grund, warum sich nur wenige Hunde (und Katzen übrigens auch) unbändig freuen, wenn ihre Menschen plötzlich beschließen, es solle nun jungen Familienzuwachs geben. So häufig habe ich mit Tieren kommuniziert, für die diese Entscheidung schwierig war.

 

Da kriegt man als reifer Familienhund plötzlich einen Welpen vorgesetzt. Den hat man ab da am Ohr, an der Pfote, am Schwanz, an den Lefzen. Er liegt auf Bett, Sofa, Decke. Er unterbricht einen beim Essen, beim Ruhen, meim Gehen, beim Schnüffeln, beim Kuscheln mit seinen Leuten, beim Trinken, beim Schlafen. Er rennt einen über den Haufen, er bellt, wirft Dinge um, zerkaut seine Spielsachen, ist dauernd wach und macht Pfützen auf den Teppich.


Wenn ein junger Hund zu einem älteren dazu kommt, ist sich der Senior zudem oft sehr im klaren darüber, das Junior bald größer und stärker sein wird als er. Das macht vielen Sorge - zu Recht. Deshalb wird Junior früh von Senior in Schach gehalten, vielleicht sogar ungerecht behandelt. Das führt zu Frust bei Junior. Und sobald dieser groß genug ist, wird sich dieser Frust womöglich in Richtung Senior entladen. Und schon hat man einen Streit im Haus und zwei missverstandene Hunde, die um ihren Platz fürchten.

 

Die alternative Version ist ein älterer Senior, der früh erkennt, gegen den Familienzuwachs nichts aurichten zu können. Da bleibt einem dann nur der Rückzug und das Zulegen eines dicken Fells. Häufig wird diese Version fälschlicherweise so interpretiert, dass der Senior den Junior geduldig und wohlwollend aufgenommen hat und zufrieden mit der Situation ist. Tatsächlich hat er aber einfach aufgegeben.

 

Wenn ein Tierkind zu einem reiferen Tier dazu gesetzt wird, empfehle ich folgendes:

Frage Dich, warum Du Zuwachs möchtest. Gibt es einen guten Grund, dann frage Dein Tier, ob es diesen Zuwachs auch möchte. Sagt es ja, dann frage es, worauf Du achten musst, damit es ihm gut geht. Freiräume, Alleine-Zeit mit Dir, gelegentlich geschlossene Zimmertüren? Wie soll der Nachwuchs aussehen? Und...sicher, dass es ein Welpe sein muss?

 

Mein persönlicher Appell an alle Hundeliebhaber: Wenn ein Welpe zu einem Senior dazu kommt, fragt Euch nochmal, ob es unbedingt ein groß werdender Welpe werden soll, der zusäzlich zur Umgewöhnung auch noch eine körperliche Bedrohung darstellt. Und ich sage extra Bedrohung, denn ältere Hunde fühlen sich oft körperlich nicht mehr so sicher auf allen vier Füßen. Das macht ihnen Stress im Umgang mit anderen Hunden, die wild und groß sind. Selbst kleine wilde können schwierig sein.

 

Und natürlich gibt es die Fälle, wo alt und jung total glücklich übereinander sind. Manche älteren Tiere freuen sich sogar über junge. Aber erfolgreiche Zusammenführungen sind in der Regel aufmerksamen Menschen geschuldet, die sich reiflich überlegt haben, ob diese Konstellation passend ist - und dann beide Familienmitglieder sorgfältig begleitet haben.


Hier findet Ihr Adressen guter Hundtrainer und Tierkommunikatorinnen, die Euch dabei helfen können, dass es gut klappt.

 

Ein Hoch auf unsere Hundesenioren - sie sind wunderbar. Und sie haben es verdient, ihren Lebensabend in der Gesellschaft zu verbringen, die sie mit ausgewählt haben.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Brigitte Büchner (Mittwoch, 24 September 2014 12:10)

    Liebe Christine, danke für den Beitrag und ich kann es nur bestätigen. Sowohl daß Welpen oder auch Kitten für die älteren extrem nervig sein können und nicht jeder Senior dazu bereit ist, als auch, daß ein gutes Zusammenleben entstehen kann. Und damit nichts schief geht, rufe ich Dich weiterhin VORHER an und spreche meinen Wunsch nach "Zuwachs" mit den schon bei mir lebenden Tieren ab. Wir sind so froh, daß wir Dich haben. Ganz liebe Grüße, Brigitte

  • #2

    Maike Balzer (Sonntag, 28 September 2014 09:42)

    I grant you, da ist etwas Wahres dran - ich habe aber selber mit Viembre und Flori die Erfahrung gemacht, daß es auch ein Mittelding zwischen Aufgeben und Guttun geben kann: Flori hat anfangs gegrummelt und war 'angepißt', daß da dieser kleine Katzenwelpe auftauchte und ihn als besten Freund adoptierte ;) :). Das hat Viembre aber so gar nicht gestört, er war so herzig und hat sich immer an ihn geknuddelt und so. Wie bei Ceddie und seinem Großvater in Little Lord Fauntleroy ist Flori langsam widerwillig aufgetaut, und ich glaube wirklich, es hat ihm auch auf einer Ebene gutgetan, und jetzt, wo Viembre schon größer geworden ist, könnte man ihn fast für den kleinen Bruder von Flori halten. Besonders, da Rufi jetzt nicht mehr ihn Katzengestalt hier ist, tut Flori der kleine Kumpel gut, würde ich sagen ;) :) Ich würde allerdings auch dazu tendieren, die Engel, das eigene Gefühl und einen Tierkommunikator hinzuzuziehen, wenn man möchte, daß ein Tier, egal welchen Alters, zu einem kommt - oder den Tierkommunikator, wenn es schon da ist und man Hilfe zu brauchen meint ;) :)!

  • #3

    Amelie (Mittwoch, 30 Dezember 2015 10:20)

    Ein super Artikel! Ich erinnere mich noch gut daran was Mystic sagte als ich sie nach Welpen-Zuwachs fragte.... Hat dann super geklappt weil ich 2 Welpen genommen habe und die sich gegenseitig in den Ohren gehangen/wach gehalten usw pp haben und Mystic nicht gezwungen war Babysitter zu spielen wenn sie nicht wollte.... Sie konnte sich immer zurueckziehen an Plätze die nur fuer sie waren und fuer die Welpen, Junghunde, jungen Hunde total verboten!
    Und jetzt sind die Welpen langsam am älter werden... Unglaublich wie die Zeit vergeht!