Schamanismus - alte Überlieferungen im modernen Kontext

Schamanen sind von jeher die Mittler zwischen den Welten. Ihre überlieferten Techniken sind auch für uns sogenannte moderne Menschen anwendbar und zu erlernen. Das macht uns nicht zu Schamanen, aber es bereichert unser Repertoire im Umgang mit seelischem Ungleichgewicht.

 

Den Begriff Krafttierkommunikation habe ich vor vielen Jahren gewählt, weil ich finde, dass  dieser Verbindung so viel Weisheit entspringt. Krafttiere ergänzen unseren wertvollen Verstand, unsere hilfreichen Emotionen, unseren ausdrucksstarken Körper um eine vierte Komponente: Den spirituellen Zugang. In meinem Alltag ist mein Krafttier voll präsent. Entscheidungen werden gemeinsam mit ihm getroffen. Ich behalte zu jeder Zeit meinen freien Willen, aber mein Krafttier bringt Wissen aus einer Richtung, das ich mit meiner Wahrnehmung allein nicht zur Verfügung hätte. Übrigens haben auch Tiere Krafttiere.

 
Seelisches Ungleichgewicht aus schamanischer Sicht

 

Indigene Völker aller Erdregionen kamen Jahrtausende alten Überlieferungen zufolge zu fast identischen Ursachen für Krankheit von Seele, Geist und Körper. Sie lassen sich in folgende Teilbereiche zusammenfassen:

 

* Kraftverlust

* Seelen- oder Essenzverlust

* Deplatzierte Energien

* Schwüre und Flüche

 

Kraftverlust

 

Unsere Schutzengel in Tiergestalt nennen sie die einen - eine Klasse für sich die anderen. Fest steht: Krafttiere sind unsere spirituellen Helfer in allen Lebenslagen. Je nach Kultur glaubt man, dass Menschen und Tiere direkt nach oder bereits vor der Geburt ihr Krafttier erhalten, das ihnen zur Seite steht. Krafttiere sind, wie der Name schon besagt, Kraftspender. Kraftverlust erleiden wir durch die Tatsache, dass in unserer Kultur das Krafttier nicht ausreichend gewürdigt und hinzugezogen wird. Wir integrieren sie nicht in unser tägliches Leben. Wir konsultieren sie nicht und wir pflegen sie auch nicht – somit verlieren sie an Stärke in unserer Welt und ziehen sich schließlich schlimmstenfalls in die ihre zurück.

 

Auch können Krafttiere im Laufe eines Lebens wechseln - oder sie gewinnen und verlieren in bestimmten Lebenssituationen an Bedeutung. Meiner Erfahrung nach gibt es sowohl Menschen mit einem Krafttier für das ganze Leben als auch wechselnde, sich ergänzende oder in den Hintergrund tretende Verbindungen.

 

Erst einmal von uns zurückgezogen, fehlt ihre Anwesenheit als unsere Beschützer in allen Bereichen des Lebens. Man ist ohne sie "von allen guten Geistern verlassen". Das bedeutet, wir begegnen Komplikationen, Herausforderungen und möglichen Krisen ohne ihren auf uns maßgeschneiderten Schutz.

 

Was ein Krafttier braucht, um seine Aufgabe gut zu erfüllen, ist pauschal nicht zu beantworten. Die Verbindung zwischen Dir und Deinem Krafttier ist einzigartig und wertvoll. Was Dein Krafttier für Dich tut und Du für Dein Krafttier, obliegt Eurem ehrwürdigen Pakt. Generell darf jedoch davon ausgegangen werden, dass Tanz, Gesang, Malerei, Trommeln, Rasseln, Spielen, Bewegung, Meditation – jeder Ausdruck von Lebensfreude von Krafttieren geschätzt werden und Eure Zusammenarbeit stärken.

 

Seelen- oder Essenzverlust

 

Erst ein Kraftverlust kann es möglich machen, dass wir Seelenteile oder Teile unserer Essenz verlieren, Seelenverlust genannt. Diese Teile gehen durch traumatische Situationen verloren. Trauma ist relativ, wie wir wissen. Eine Blamage vor der Schulklasse im Kindesalter, ein Autounfall, Gewalt in der Kindheit, Mobbing am Arbeitsplatz, eine dramatische Operation... Alles kann Trauma bedeuten und zu Seelenverlust führen. "...außer sich sein vor Angst", spiegelt diesen Fall ganz gut wieder.

 

Mit dem Verlust eines Seelenteils bleibt auch ein entscheidender Teil unseres Selbst mit unterschiedlichen Stärken fort. Oft suchen wir nach diesem Verlust nach etwas in Dingen wie Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, ja sogar Menschen und finden es doch nicht, weil wir in Wahrheit nach einem Teil unseres Selbst suchen.

 

Auch können diese Seelenteile versehentlich von anderen, auch uns nahe stehenden Menschen, an sich genommen werden. Man spricht dann von Diebstahl, aber das entspricht nicht ganz der eigentlichen Bedeutung. Es gibt viele Gründe, warum Menschen Teile von anderen an sich nehmen - und fast immer passiert das unbewußt und unabsichtlich. Man kennt solche Formulierungen wie "...an diesen Menschen habe ich mein Herz verloren" oder "...es ist ein Teil von mir mit gestorben". In vielen Fällen kennt unsere Sprache die Wurzeln solcher Verluste sehr genau und trägt sie seit Hunderten von Jahren durch den Volksmund.

 

Deplazierte Energien

 

Wenn uns durch Seelenverlust Teile unserer Essenz fehlen und wir zudem auch noch an Kraftverlust leiden, werden wir anfällig für deplazierte Energien. Diese können zum Beispiel nach einem Streit an uns haften bleiben, wenn unser Gegenüber seine Gefühle gesendet hat, statt sie nur auszudrücken. Diese Energien fühlen sich an wie Giftpfeile und können sogar Krankheiten auslösen. Oft fühlt man sich nach so etwas sogar körperlich schlecht, denn Worte können wie Waffen wirken. Wenn etwas, das jemand sagt, "weh tut", dann haben wir eigentlich schon gute Worte für das gefunden, was tatsächlich passiert. Dies ist einem Fluch, bewußt oder unbewußt, nicht unähnlich.

 

Auch verstorbene Seelen können sich als Energien an einen Menschen haften. Sie suchen häufig nach einem sicheren Platz, doch diese Verbindung ist für keinen der beteiligten besonders fruchtbar.

 

Durch Seelendiebstahl an sich genommene Teile fallen ebenfalls unter die Kategorie deplazierte Energien, denn ihr Zuhause ist woanders.

 

Schwüre und Flüche

 

Eine Art Unterkategorie, weil sie so viele Formen annehmen können, bilden Schwüre und Flüche. Sicher ist man in der heutigen Zeit überrascht, wenn dem Bedeutung beigemessen wird, aber es hat sich gezeigt, dass in der Kindheit geschlossene Pakte oder von anderen ausgesprochene oder gedacht Flüche auch in der Gegenwart Auswirkungen auf die Betroffenen haben können.

 

Schwüre haben energetisch gesehen eine weitreichende Kraft. Sie können, ebenso wie Pakte, früh in diesem Leben getroffen worden sein – und auch aus der Zeit vor unserer Ankunft auf der Erde können Verbindlichkeiten bestehen. Manchmal gilt es, diese zu lösen, um dem eigenen Lebensentwurf die gewünschte Wende zu geben oder sich von seinen „Altlasten“ zu befreien.

 

Flüche können sich zeigen in Energien und sogenannten Giftpfeilen, die auf den angegriffenen Menschen projiziert werden. „Jemanden die Pest an den Hals wünschen“ mag zwar seine Wurzeln im Mittelalter haben, aber die destruktive Kraft in solchen Redewendungen, ob nun ausgesprochen oder „nur“ gedacht, sollte nicht unterschätzt werden. Sie können deplazierte Energien auf andere bringen oder zu Seelenverlust führen.